Das unsichtbare Leid des Autors.

Mit Autoren und ihrer Arbeit ist das ja immer so eine Sache. Schweißgebadet versuchen wir unseren Figuren den Weg entlang zu peitschen, den wir mühsam für sie freigeschaufelt haben, aber überall knicken Baumstämme um und versperren uns den Weg. Gewaltige Geröll-Lawinen lösen sich hinter uns und drohen uns einzuquetschen, so ziemlich jede Figur verweigert in dieser Todesgefahr dem Autor den Gehorsam, und dann zieht der Schatten des Endgegners auf, nur leider um einiges gewaltiger, als wir alle uns den vorgestellt haben. Tja, und was sieht die Welt von diesem epischen Gefecht? Sie sieht einen unrasierten Typen, der auf seinen Bildschirm glotzt.

 

Das Tote Tal: Ein Showdown zieht auf…

So hat sich auch die finale Sequenz von „Das Tote Tal“ vor mir aufgebaut: Die Figuren haben alle ihren eigenen Kopf entwickelt, und ich liebe sie dafür – auch wenn sie immer seltener das tun, was ich für sie vorgesehen hatte – aber genau das ist die richtige Voraussetzung, um für dieses Finale gewappnet zu sein, das da gerade auf uns zustürmt.

Kennt ihr das? Wenn man sich vornimmt ein Bild zu malen, weil man so eine glasklare Vorstellung im Kopf hat? Dann setzt man setzt Stift an, und schon beim ersten Strich wird einem klar, dass das, was man zeichnen wird, im besten Fall eine gewisse Ähnlichkeit mit dieser „glasklaren Vorstellung“ hat. Nun, beim Schreiben ist das ganz genau so. Man stellt sich eine Szene, eine Landschaft, eine Kulisse vor, und dann, wenn man versucht, sie zu Papier zu bringen, verändert sie mit dem ersten Wort ihre Gestalt. Das ist aufregend! Das ist einer der Gründe, warum ich so gerne schreibe – es ist entdecken und nicht erschaffen – und gleichzeitig ist es ein großer Moment, wenn man diesen Showdown endlich schreiben will.

 

Epische Emotionen vor dem Ende.

Ich habe die Showdown-Arena nun betreten. Oh ja, man hatte über Monate eine klare Vorstellung davon im Kopf. Eine nüchterne Beschreibung der „dramaturgischen Zuspitzungen“. Dann ragt da diese Doppeltür vor einem auf, schwerer, vernieteter Stahl auf den jemand mit roter Farbe „Das Ende!“ gesprayt hat – es ist doch hoffentlich nur Farbe? Man will ein Ohr an die Tür legen, um zu lauschen, was dahinter geschieht, aber es zischt, sobald man den Stahl berührt, und der Geruch von verkohlter Haut dringt einem in die Nase, noch bevor sich einem der Schmerz ins Hirn bohrt. „Hast du Angst?“, dröhnt irgendwo eine Stimme daher, sie dringt aus den Tiefen meines Unbewussten, vielleicht aber auch aus den Schatten jener dunklen Dimension, aus der auch diese düsteren Geschichten zu mir kriechen. Einen Augenblick lang versuche ich die Wahrheit zu verschweigen, aber dann überlege ich es mir anders, ich richte mich auf und brülle der Stimme ein „Ja!“, entgegen,  „VERDAMMT JA!“

Die Stimme lacht und die Tür beginnt sich zu öffnen; Stahl kreischt über den Boden – den Schmerz im Ohr hab ich längst vergessen – und die Welt explodiert. Bilder und Worte regnen wie Feuer auf mich herab, Figuren bestürmen mich, „Hilf mir!“, kreischen sie, „Rette uns!“, sie schluchzen, weil sie wissen, dass ich nicht allen helfen kann – und ich schluchze auch; mein Stift fliegt über Papier, längst bin ich nur noch Zuschauer dessen, was da aus mir herausbricht, und erst wenn ich meinen Stift fast nicht mehr halten kann, lass ich ihn fallen; ich stürze heraus aus dieser Welt, die Tür verschließt sich mit grollendem Donner, und ich weiß, morgen wird sie wieder auf mich warten. Und die Welt um mich herum? Die sieht nur einen Typen, der sich verbissen über Papier beugt, gelegentlich verstohlen seine Augen wischt und schließlich erschöpft zurücksinkt – irgendwie glücklich, irgendwie traurig.

Das alles klingt jetzt zugegebenermaßen so, als müsste man mir vorsichtshalber einen Lastwagen voller Psychopharmaka vor die Tür karren – aber keine Sorge: Wie die meisten Autoren habe ich nämlich eine geradezu masochistische Freude an dieser Achterbahnfahrt der Gefühle! Wie sagte es einmal eine Figur in „Rossini“? „Scribo non vivo! Ich schreibe! Ich lebe nicht!“ Diese Haltung teile ich ganz und gar nicht. Schreiben ist Leben! Und ein ziemlich intensives obendrein.

 

Newsletter, Buchmesse, Jahresausblich 2019: Nebengefechte abseits des großen Schlachtfelds.

Aber ein wenig Mitgefühl hätte ich trotzdem recht gern: Ich versuche nämlich gerade einen Newsletter für die Homepage einzurichten. Ja, auch das ist eine Achterbahnfahrt der Gefühle („Wie oft? Welche Themenschwerpunkte? Welche Goodies? Welche Designs? Ah. Puh. Das ist ne gute Idee. ABER WIE SETZE ICH DIE JETZT VERDAMMTNOCHMAL TECHNISCH UM???“), nur hab ich das Gefühl, dass ich eine Schnapspulle neben meiner Tastatur brauch, um diese Achterbahnfahrt zu überstehen.

Aber gut, dann ist da ja noch die Leipziger Buchmesse, die für angenehme Ablenkung sorgt (immerhin will die ja auch geplant werden: Welche Events besuche ich, welche Lesungen? Soll ich T-Shirts drucken lassen? Tassen? Lesezeichen?), und schließlich wartet da ein Jahresausblick 2019 darauf, dass ich ihn fertig stelle und appetitlich anrichte und euch in Form eines ausführlichen Blogbeitrags serviere.

In diesem Sinne werde ich mir jetzt ein kräftiges Frühstück zubereiten und eine Kanne Kaffee aufsetzen. Ich höre da nämlich schon wieder eine gewisse Stahltür ächzen, und ich sollte gestärkt sein, wenn ich mich ihr abermals stelle…

Das Tote Tal ist ein Mysterythriller, der 2019 erscheinen wird: Ein abgelegenes Tal, Menschen, die verschwinden, eine geheimnisvolle Sekte und rätselhafter roter Staub, der jeden langsam tötet, der damit in Berührung kommt. Neugierde geweckt? Dann stürz Dich auf die Leseprobe! Hier die PDF-Version für alle Leser ohne eReader. (Anm.: Aus irgendeinem Grund lassen sich manche Seitenzahlen einfach nicht exportieren… nach etlichen Versuchen und zusätzlichen grauen Haaren hab ichs jetzt gelassen, und entschuldige mich dafür, dass an mancher Stelle nur ein „X“ steht, wo eine Seitenzahl stehen sollte.)

Hier die Leseprobe für alle Kindle-Nutzer:

Und schließlich die Leseprobe für alle Nutzer von Tolino und Co.:

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