Unterwasserhorror für den Grumpy-Nerd.

Zugegeben, ich bin schon ein altes Lästermaul und nicht so leicht zufrieden zu stellen – daher hab ich mir den „Grumpy-Nerd“-Stempel redlich verdient. Aber Underwater hat schon von vornherein bei mir einen Stein im Brett: Keine Reihe, kein Prequel, kein Remake und eine Fortsetzung ist auch nicht in Sicht, ein „Underwater Cinematic Universe“ gibt es ebenfalls nicht. Underwater ist ein schlichter, alleinstehender Monstergrusler, der sich auch noch Unterwasser abspielt – Da hab ich die Kinokarte schon gelöst, bevor der Trailer auf meiner Netzhaut verblasst ist. Und ich wurde echt nicht enttäuscht! Aber lest selbst. Natürlich ohne Spoiler.

 

Kristen Stewart versucht es in den Fußstapfen von Ellen Ripley.

Und das macht sie gar nicht schlecht! Aber ich greife vor. Der Einstieg jedenfalls schonmal wunderbar dicht: Die Story wird einem bereits im Vorspann durch eingeblendete Zeitungsartikel erklärt: Eine Tiefseebohrung im Mariannengraben, krasse Druckverhältnisse, rätselhafte Sichtungen an der Bohrstelle, die von öffentlichen Stellen ignoriert werden. Dann fährt die Kamera gefühlte Ewigkeiten an einer Bohrröhre in die Tiefe, Laternen in regelmäßigen Abständen beleuchten diese Tauchfahrt, ein Pulsschlag aus Licht in der absoluten Finsternis – und dann kommt sie in Sicht: Die Forschungsstation der Bohranlage, ein Ring aus Stahl und Lampen, der sich um den Bohrschlauch schließt.

Schließlich treffen wir auf die Maschinenbauingenieurin Nora, toll gespielt von Kristen Stewart. Man sieht das Gewicht der Schwermut, das auf ihre Schultern drückt und es passt zu der Stimmung in der Forschungsstation: Es sieht kalt und nass und abweisend aus; man kann den Schimmel schier riechen, der sich hier in allen Ecken eingenistet haben muss.

Wir haben kaum Zeit Nora kennen zu lernen, denn die Katastrophe bricht bereits in den ersten Minuten über die Forschungsstation herein – eine Erschütterung, Wassereinbruch, Rettungskapseln schon alle unterwegs, alle Kommunikationskanäle abgeschnitten, was bleibt ist ein verzweifelter und verrückter Plan. Und diesen Plan, meine geschätzten Creature-Horror-Tauchabenteuer-Fans müsst ihr wirklich selbst erleben!

 

Eine tolle Mischung aus bekannten Horror-Rezepten und frischen Zutaten.

Normalerweise läuft es ja so: Wir lernen ein Team aus zusammengewürfelten Figuren kennen, das dann auf eine Katastrophe zusteuert, die sie zusammenschweißen wird. Underwater macht das anders. Da kommt erst die Katastrophe, und sie führt die Figuren zusammen, damit sie ihren Rettungsplan entwerfen können – und schon dieser Twist hat mir gut gefallen. Es ist unglaublich eindringlich inszeniert, und die Figuren sind so gezeichnet, dass man um jeden einzelnen Angst hat – kein einziger Lückenfüller, den man als Quotentoten irgendwelchen Monstern zum Fraß vorwirft. Alleine Paul, der knorrige Klotz mit den geschmacklosen Scherzen und dem Plüschhäschen (!!!) hat mich von der ersten Sekunde an gewonnen.

Das packt dem Film dann eben noch eine zusätzliche Spannungsschippe drauf und man beginnt an den Nägeln zu kauen, wenn sich das erste Tauchteam aufmacht, um nach weiteren Überlebenden zu suchen – als Zuschauer weiß man ja längst, dass da vermutlich etwas lauern wird…

Dieses „Etwas“ ist dann leider auch das schwächere Element des Films. Ich werde jetzt keine Beschreibungen darüber verlieren, um was es sich handelt, aber als Monsterhorror-Fan hatte ich mir schon ein wenig mehr „Tiefe“ erhofft. Im klassischen Kreaturengrusler lernen die Figuren ja meist das Geschöpf kennen, das sie da bedroht, kriegen oft sehr blutig seine Stärken zu spüren, entdecken dann – nach einem angemessenen Bodycount natürlich – seine Schwächen, um es bekämpfen zu können. Was das angeht, bleibt „Underwater“ für meinen Geschmack viel zu nahe an der Oberfläche und verschenkt  zu viel Potenzial. Aber: Bedrohlich ist es, und in der Haut der Taucher möchte man auch nicht stecken und das nervös gefutterte Popcorn geht viel zu schnell zur Neige. Zweck erfüllt!

 

Leviathan und Deep Star Six haben ein Schwesterchen bekommen.

Unter dem Strich bleibt ein sehr unterhaltsamer Genre-Film, der sich für meinen Fangeschmack großartig in die Reihe der oben genannten Streifen einreiht. Auch Leviathan und Deep Star Six sind keine Meisterleisungen, aber sie sind atmosphärisch, machen auf ihre düstere Art Spaß, und versorgen den Genre-Fan mit dem, was er sucht. Darüber hinaus werden sich Gaming-Fans oft an das (großartige!) Game „Soma“ erinnert fühlen, wenn die Figuren in Tauchanzügen über den Tiefseeboden stapfen. Das alleine sind für mich drei Gründe, um „Underwater“ zu empfehlen.

Ja, „Underwater“ hat seine Längen, aber die Atmosphäre ist unglaublich dicht und die Figuren sind durch die Bank toll. Außerdem bin ich ein absoluter Tauchfilm-Fanboy, und freue mich sehr, dass ich da endlich einen neuen Film in mein Regal stellen kann! In diesem Sinne kann ich nur zusammenfassen: Ihr mögt es, wenn ein zusammengewürfelter Haufen in einer ausweglos klaustrophobischen Situation ums Überleben kämpft, und sich dann auch noch mit Ungeheuern rumschlagen muss? Dann wird Euer Tauchgang sicherlich ein unterhaltsamer werden!

Eine Empfehlung zum Trailer: Er fängt die Stimmung des Films toll ein, aber ab Minute 1 wird der Spoilerfaktor immens! Wenn ihr also ein bisschen die Atmo des Filmes spüren wollt, ohne dass euch zu viel verraten wird, sollte euer Mauspfeil wachsam über der der Stopptaste verharren.

„Wenn es stimmt, was Sie sagen, ist die Colombo noch irgendwo da draußen, besudelt vom Schicksal des letzten Aufklärungsteams. Und von dem, was es von dort mitgebracht hat.“

»Wir haben immer geglaubt, die Technologie des Ordens soll uns vom Tal fernhalten. Aber was, wenn das nicht stimmt? Was, wenn sie etwas im Tal festhalten soll?«

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