Marvel und ich: „Es ist kompliziert“

Hach Marvel. Meine ersten Berührungen waren die Superman Filme mit Christopher Reeve und die beiden Spiderman-Filme aus den 70ern: „Spiderman – der Spinnenmensch“ und „Spiderman schlägt zurück“. Die Effekte waren schlecht, die Kämpfe grottig choreographiert, aber ich hatte trotzdem mächtig Spaß damit.

Dann kam 2002 der erste Spiderman von Sam Raimi. Ganz großes Kino! Die Effekte eine völlig andere Welt, die Story dicht und nahe an den Figuren dran. Besser wars dann noch in der Fortsetzung, und nicht nur weil Doctor Octopus ist mein persönlicher Lieblingsgegenspieler ist, diese menschliche Verzweiflung in Gestalt eines Metall-Tintenfischs. Mit Teil 3 nimmt dann diese Effekt-Megalomanie langsam Überhand: Ein Gegenspieler reicht nicht mehr, nein, da ist dann der Green Goblin, der Sandmann und Venom – Spideys Herzensnöte nicht zu vergessen. Allmählich schwindet meine Marvel-Begeisterung.

 

Das Marvel Cinematic-Universe und ich: Keine Freunde.

2008 startet dann mit Iron Man die Ära des Marvel Cinematic-Universe (MCU). Tony Stark ist ein sympathischer Typ und Iron Man ein kurzweiliges, angenehm ironisches und witziges Popcorn-Vergnügen. Dann gabs da noch den Hulk (den ich mir nie angeschaut habe), Thor (der mir nur ein paar anzügliche Witze über Thors Hammer entlockt hat), Iron Man 2 (lauter als der erste, aber nicht besser), und Captain America (den ich durchaus als unterhaltsam empfunden habe). Hier waren die Verknüpfungen untereinander noch nicht sonderlich ausgeprägt, man konnte die Filme gut unabhängig anschauen, die Verbindung mit Shield war oft nur ein Gimmick, irgendwo am Ende des Films versteckt. Die Avengers waren dann der erste gemeinsame Schlag der vereinten Helden, und meinen Geschmack hat dieser höher, weiter, schneller, lauter-Action Krawall nie getroffen. Aber na ja. Muss man sich ja nicht anschauen. Oder?

Mit Iron Man 3 gehts dann schon langsam los. Wenn man „Avengers 2 – Age of Ultron“ so richtig verstehen will sollte man den gesehen haben, ebenso die Captain America Fortsetzung „The Return Of The First Avenger“ Langsam macht sich Ärger bei mir breit.

Um das Ganze abzukürzen: Letzte Sympathien hat das MCU mit dem dritten Teil der Avengers verspielt. (Keine Sorge: Hier gibts keine Spoiler!) Es ist ja durchaus nachvollziehbar, dass man die beiden Vorgängerteile gesehen haben sollte, um einen dritten Teil gut verstehen zu können, aber bei Avengers 3 braucht man einen Doktortitel in Marvologie, um da gut durchzusteigen: Thor 3 sollte bekannt sein, der Black Panther, Doctor Strange, Captain America: Civil War, ach ja, und Guardians of the Galaxy ebenfalls – obwohl die mit dem ganzen Superheldenreigen sonst ja mal gar nix am Hut haben. Aber das ist dann noch nicht alles: Wenn man als ausgeflaggter Guardians Fan sich auf den dritten Teil freut, wird man diesen nicht verstehen können, wenn man vorher nicht den dritten Teil der Avengers gesehen hat… What the fuck!!! Das ganze artet in eine Art Superhelden-Lindenstraße aus, die den Angry Nerd in mir zum Fluchen bringt. Gottseidank ist da noch der Ant-Man.

 

Ant-Man. Der Bruce Wayne im Marvel Cinematic Universe.

Schon der erste Teil hat mich vollständig begeistert. Keine ständigen Krawumm Explosionen und tausend epische Handlungsstränge mit noch epischeren Schlachten, nein, da ist Scott Lang, ein Elektroingenieur und Nerd und sympathischer Looser, der bei Hank Pym (Michael Douglas) einbricht und ihm einfach mal so den Ant-Man Anzug klaut. Hank Pym hat nämlich einen Weg gefunden, die Zwischenräume in den Atomen zu beeinflussen, und so die Größe von Objekten und Personen zu verändern. Natürlich gibt es einen Gegenspieler, der diese Technologie zu Kriegszwecken missbrauchen will, und das öffnet die Tore für eine herrlich altmodische Geschichte von Gut gegen Böse – selbstverständlich sind Hank Pym und Scott Lang auch nicht gleich von Anfang an die besten Freunde, und Hanks hübsche Tochter Hope findet Scott natürlich auch schröööcklich unsympathisch. Is klar, *zwinkerzwinker*.

Ganz anders als viele der anderen Avengers ist der Ant-Man einfach so unglaublich sympathisch und selbstironisch, und dann ist da noch diese Beziehung, die er zu seiner Tochter hat… Das alles macht ihn zu der liebenswertesten Figur, die das MCU bisher zu Stande gebracht hat. Scott Lang ist kein Superheld, er muss hart trainieren und den Anzug meistern, sein Humor ist nicht der (durchaus unterhaltsame) Tony Stark Humor eines reichen Großmauls, sondern die augenzwinkernde Waffe eines schlagfertigen kleinen Mannes, den man einfach mögen muss.

Darüber hinaus sind es die technischen Spielerein, die Ant-Man so sehenswert machen! Es ist pures Eye-Candy, wenn Scott sich zum ersten Mal verkleinert und einen Horrortrip in seiner eigenen Wohnung erleben muss – ganz besonders in 3D! „Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft“ auf höchstem technischen Niveau.

Außerdem ist die Idee so herrlich verschroben: Sich via Anzug verkleinern und vergrößern zu können ist ja eine Sache, aber dann auch noch mittels Pheromon-Übersetzungstechnologie mit Ameisen kommunizieren und sie zu Partnern machen? Genau der überdrehte Mist, der mir gefällt!

Die Verknüpfungen mit den anderen MCU-Filmen halten sich außerdem kaum sichtbar im Hintergrund. Ja, Hank Pym hat was mit Shield zu tun, und ja, Ant-Man terrorisiert Falcon, aber das ist nur unbedeutendes Storygelichter im Augenwinkel, die nicht von der straff erzählten Hauptgeschichte ablenken. Gut so! Und nachdem die Story am Ende des Films sauber abschließt, freue ich mich zum ersten Mal seit Jahren, dass es einen Aufhänger für einen zweiten Teil gibt!

 

Es ist so weit: Ant-Man and the Wasp.

Ich hatte echt Angst, als ich die Bluray in den Player geschoben habe. Sie haben es nämlich getan! Sie haben auch den Ant-Man in den Seifenopern-Strudel des MCU gesaugt und ihn in „Captain America – Civil War“ auftreten lassen. „Oh Gott“, denke ich mir, „was für ein verstricktes Geschwurbel jetzt wohl auf mich wartet?“

Aber um es vorweg zu nehmen: Der zweite Ant-Man macht seine Sache genauso gut, wie der erste Teil. Ja, sein Auftritt in „Civil War“ wird zum Thema, aber nur um den Bruch zwischen Scott Lang, Hank und dessen Tochter zu erklären – und den Grund, warum Hank zu Beginn des Films staatlich verordneten Hausarrest hat. Das alles wird angenehm knapp abgehandelt und dann konzentriert sich der Film wieder voll auf seine eigene Geschichte: Wie wir im ersten Teil erfahren haben, hat sich Hanks Frau dereinst so sehr verkleinert, dass sie in der Quantenebene verloren gegangen ist. Hank dachte immer, dass es aus der Quantenebene kein Entkommen gibt, aber da Scott das geschafft hat, ist neue Hoffnung gekeimt, und Hank sucht mit seiner Tochter Hope nach einer Lösung, seine verschollene Frau zu finden.

Derweil träumt Scott von Hanks Frau und nimmt mit Hank Kontakt auf, um ihm davon zu berichten. Schon startet die Story durch: Sie brauchen nämlich ein bestimmtes Stück Technik, um dieses Vorhaben durchzuziehen, müssen dafür mit Verbrechern Geschäfte machen, und dass sich das nicht auszahlt wissen wir natürlich schon vorher. Außerdem tritt da ein neuer Schurke mit Superkraft auf den Plan, der irgendetwas gegen dieses Vorhaben hat, und bald schon ist er wieder am Toben, der Kampf gegen Gut und Böse, gegen das FBI, die fiesen Verbrecher, den neuen Gegenspieler und natürlich die Zeit, da es nur sehr wenig davon gibt, um Hanks Frau aus den Tiefen der Quantenebene zu befreien.

Wieder wird die Story toll und rasant und beeindruckend erzählt, und alleine die spektakuläre Tauchfahrt in die Quantenebene ist das Geld für diesen Film wert. Auch geht es da nicht, wie sonst so häufig im MCU, um Thanos und die blöden Infinity-Steine, es geht um molekulare Verkleinerung, um Verschiebungen und Überlagerungen auf Quantenebene, die jedem das Hirn auflösen, der zu lange da unten ist. Es geht um die Beziehung zwischen Scott und Hank und Hope; keine ausufernden Nebenstränge, sondern klares, knackiges Erzählen.

Natürlich ist da auch wieder dieses sympathische Gekabbel zwischen den Figuren, diese tolle Beziehung zwischen Scott und seiner kleinen Tochter, und dieser wunderbare, warmherzige Humor. Obwohl die ganze Story spannend ist, ist da auch fast überall dieses ironische Augenzwinkern, das einen völligen Gegensatz darstellt, zu diesem tonnenschweren Pathos, der einem besonders in den Avengers-Filmen in die Augen gedrückt wird. Ach, schon die erste Szene des Films zeigt, wie sehr sich Scott von Tony Stark und Co. unterscheidet, wie sehr sich dieser Film von den anderen MCU-Filmen unterscheidet, und warum Scott Lang der coolste und sympathischste Held aus dem Marvel Cinematic Universe ist!

Auch Ant-Man and the Wasp kommt zu einem klaren Ende – wer unbedingt eine Verknüpfung zu „Avengers: Infinity War“ haben möchte, muss sich bis zum Ende des Abspanns gedulden. Ich jedenfalls ahne Arges. Schon im Trailer des vierten Avengers-Teil wird ja angekündigt, dass Ant-Man da einen Auftritt haben wird. Von mir aus. Wenn er dann in einem dritten Ant-Man Teil wieder seine eigene, unabhängige und klar erzählte Story bekommt, soll mir das Recht sein. Wenn man da allerdings wieder einen Doktortitel in Marvologie braucht, kann mir das Marvel Cinematic Universe endgültig den Buckel runter rutschen.

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