M. Night Shyamalan: Ein Mystery Meister mit Höhen und Tiefen.

Wie die Meisten bin auch ich durch „The Sixth Sense“ das erste Mal auf den Filmemacher aufmerksam geworden. Und ich war sofort verzaubert: Diese unglaublich eindringliche Art eine Geschichte zu erzählen, diese wahnsinnige Spannung, und natürlich dieses tolle Ende… Als ich dann aus dem Kino gewankt bin wusste ich: Du hast hier gerade etwas Großem beigewohnt.

 

So bin ich dann auch zum Fanboy geworden. Zugegeben, als „Unbreakable“ (2000) damals rauskam, war ich schon ein wenig enttäuscht. Ja, die Story um den unverwüstlichen Bruce Willis und den seltsamen Glasknochenmann war originell, und ja, die Auflösung war es auch. Trotzdem hat mir dieses gewisse Etwas gefehlt, diese Eindringlichkeit von seinem Vorgänger.

 

Ganz anders erging es mir dann mit „Signs – Zeichen“ (2002) Was für ein herrlicher Spannungsaufbau! Eine wunderbar spannende Kammerspiel-Variante des sonst so effektüberladenen Alien-Invasion-Genres. Und man mag von Mel Gibson halten was man will, aber er ist einfach ein grandioser Schauspieler, der hier den vom Glauben abgefallenen Priester mit einer Inbrunst spielt, dass man eine Gänsehaut bekommt. Aber auch Joaquin Phoenix und die beiden Kinderdarsteller Rory Culkin und Abigail Breslin machen einen großartigen Job und führen den Film mit intensivem Spiel zu seinem großartigen Finale. Der Fanboy ist begeistert.

 

Voller Vorfreude sitze ich dann zwei Jahre später in „The Village“. Wieder schafft es Shyamalan mich zu verzaubern: Ein Dorf, scheinbar aus der Zeit gefallen, eine verbotene Farbe, seltsame Morde und eine zarte, berührende Liebesgeschichte – das alles tröstet mich locker über die schwache Auflösung des Films hinweg und ich sehe ihn mir noch heute gerne an.

 

Dann kam  2006 „Das Mädchen aus dem Wasser“ in die Kinos, und der Fanboy hüllt sich in Schweigen über das Ausmaß an Enttäuschung, das ihm dieser Film bereitet hat. So wagt er sich zwei weitere Jahre mit gekühlter Vorfreude in „The Happening“ und sieht sich mit einer tollen Grundidee belohnt: Die Natur schlägt zurück, Pflanzen produzieren ein Nervengas, das die Menschen in den Selbstmord treibt. Leider kommt dann aber nicht mehr viel und eine gute Idee alleine sorgt eben nicht automatisch für einen guten Film.

 

Und das war es dann mit dem Fanboy-Dasein. „Die Legende von Aang“ (2010) habe ich mir gar nicht erst angesehen, „Devil“ (2012) hat mich zu Tode gelangweilt, „After Earth“ (2013) habe ich völlig ignoriert und die Mystery Serie „Wayward Pines“ ist komplett an mir vorbeigegangen.

 

The Visit: Wenn sich das Grauen leise von hinten anschleicht.

Letztes Jahr dann habe ich „The Visit“ (2015) auf dem Blu-Ray-Grabbeltisch entdeckt. Der Fanboy in mir zuckt und erinnert sich an die tollen Storys, die Shyamalan dereinst erzählen konnte – und geistern da nicht eigentlich ganz positive Meinungen zu dem Film herum? So ist „The Visit“ dann in meinem Einkaufswagen gelandet.

 

Meine Erwartungshaltung war ziemlich mau, als ich „The Visit“ in den Player geschoben habe. Alter Schwede. Was für eine Fehleinschätzung. Schon nach der Hälfte des Films waren keine Fingernägel zum abknabbern mehr da. Der Fanboy jubelt: M. Night Shyamalan kann es noch! Oder nein. Er kann es wieder. Aber ich greife vor.

 

Zur Story: Die 15 jährige Rebecca und ihr 13 jähriger Bruder kennen ihre Großeltern nicht, weil ihre Mutter den Kontakt schon vor der Geburt der Kinder aus unbekannten Gründen abgebrochen hat. Rebecca hat genug von diesem Familiengeheimnis. Gemeinsam mit ihrem Bruder beschließt sie ihre Großeltern zu besuchen. Da sie eine leidenschaftliche Hobby-Filmerin ist plant sie einen Film über diesen Besuch zu drehen.

 

Die Großeltern jedenfalls sind begeistert. Sie nehmen die beiden sympathischen Kinder herzlich in Empfang, es gibt lecker Kuchen und verschneite Landidylle. Ein bisschen verschroben sind sie vielleicht und stellen seltsame Regeln auf. Den Kindern will es zwar nicht so recht einleuchten, warum sie ab halb zehn auf ihrem Zimmer bleiben und es auf keinen Fall verlassen sollen, aber solche seltsamen Dinge verlangen alte Leute eben manchmal. Da ist doch nichts dabei.

Oder?

Um es gleich vorweg zu nehmen: Dieser Film ist Suspense aus der Hölle. Selten habe ich erlebt, dass Spannung so wunderbar gemein steigt! Es beginnt schon bei der ersten Begegnung mit den Großeltern: Da schwingt ein sehr subtiler Vibe mit, unterschwellig, bedrohlich, und es läuft einem kalt den Rücken herunter, ohne dass man festmachen zu könnte, woran das liegt.

 

So begleitet man die Kinder also auf die abgelegene Farm der Großeltern. Stets bekommt man nur das Material zu sehen, das Rebeccas Kameras aufgezeichnet haben, und ganz allmählich entsteht so das Gefühl zusammen mit den Kindern auf dieser Farm eingesperrt zu sein. Immer bekommt man nur einen quälend kleinen Bruchteil des Großen und Ganzen zu sehen, Eindrücke, Schnappschüsse, und die werden immer seltsamer, immer bedrohlicher und verwandeln sich bald in echte Angst. „Kriechst Du bitte in den Backofen?“, bittet die Oma Rebecca an einer Stelle und mir ist fast schlecht geworden vor Beklemmung. Das ist so unglaublich intensiv! Genau so muss sich eine Geschichte anfühlen. Und dann ist da ja noch das Ende…

 

Der Meister des Mysterykinos ist wieder da!

Shyamalan beweist einmal mehr, dass in ihm ein Meister der Stimmung steckt und dass er Storys erzählen kann, die einen noch lange nach dem Abspann beschäftigen. „The Visit“ ist ab 12 freigegeben, aber das halte ich, milde gesprochen, für sehr gewagt. Natürlich, Gorehounds und Splatterfans werden bei diesem Film einschlafen, aber schon Lovecraft wusste, dass das wahre Grauen in der Andeutung liegt.  Wer also über eine rege Phantasie verfügt, der wird hier mit reichlich Gänsehaut belohnt!

 

Ich persönlich habe mir vor dem Schlafengehen jedenfalls noch eine Folge „Two and a half men“ gegönnt. Man möchte ja keine Alpträume riskieren. Der Fanboy schreit es also in die Welt: Holt das Popcorn raus und versperrt alle Türen, Shyamalan ist zurück um euch allen das Fürchten zu lehren!

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